Der Hexenwald
ie stundenlange Autofahrt während des Tages war sehr ermüdend: der verhangene Himmel, graue Landstriche, das klopfende Geräusch der Tropfen an die Frontscheibe. Beim Einbruch der Dunkelheit hatten wir Kielce, einen Ort am Fuße des Hexenberges Lysa Gora noch nicht erreicht.
Lysa Gora ist 612 Meter hoch und hat eine kreisrunde Kappe, sein Dach ist kesselförmig ausgehöhlt. In früheren Zeiten wurden dort Rituale und Geisterbeschwörungen durchgeführt. Steinansammlungen zeugen noch heute von diesen geheimnisvollen Zusammenkünften. Auch in heutigen Zeiten finden in der Walpurgisnacht noch rituelle Feste auf dem Berg statt.
Unser Plan sah eine Nachtwanderung auf den Berg vor. Im bleiernen Schein des Vollmonds wollten wir oben auf dem Trümmerfeld das Zelt aufschlagen. Es kam aber anders. Der Weg führte uns nämlich durch den Hexenwald von Swietokrzyska. Der Wald ist so dicht, daß ein Mensch ihn nicht einfach durchqueren kann. Eine Straße mit holprigem Kopfsteinpflaster führt quer durch das Gebiet hindurch.
Die Scheinwerfer des Autos leuchteten wie zwei Augen gespenstisch in der Nacht. Wir hielten Schrittempo, um den unzähligen Kröten auf der Fahrbahn die Flucht vor dem tösenden Fahrzeug zu ermöglichen. Diejenigen die es nicht mehr schafften, versuchten wir zu umfahren, was nicht immer gelang.
Die Straße verlief schnurgerade durch den Wald. Exakt in ihrem Verlauf leuchtete die groß erscheinende Mondkugel mit geisterhaftem Licht. Wir hatten etwa 30 Kilometer durch das unheimliche Gebiet zu fahren. Bei einem kurzen Stop, breitete sich Stille aus. Kein Windhauch raschelte, kein Vogel gab einen Laut.
An der nächsten Wegkreuzung parkte ein Fiat. Ich erkannte an der Seite die Umrisse von drei heftig gestikulierenden Männern. Wir rollten vorbei. Nach einer Weile atmete ich auf. Nun war ich sicher, daß sie uns nicht folgten.
Wir kamen zu einer weiteren Wegkreuzung. Ein mehrere Meter hohes Altarkreuz aus frischgeschlagenen Birkenstämmen thronte dort seitlich der Straße über einer Tafel voller Inschriften. Der Altar war mit Blumenkränzen, Kerzen und Bildern geschmückt, Menschen konnte ich keine erkennen.
Wenige Meter später tauchte ein Wegweiser mit handgeschriebenen Buchstaben im Dunkeln auf: zwei Kilometer bis Wykusz. Wir befanden uns im Herzen des Waldes. Die Legenden berichten, daß früher verbotene Zeremonien mit Menschenopfern hier stattgefunden haben sollen. Später wurde ein Partisanenfriedhof daraus. Beim Vorbeifahren an der Abzweigung nach Wykusz sah ich kurz ein leuchtendes Augenpaar zwischen den Bäumen aufblinken. Ein Schauder lief mir über den Rücken.
Im weiteren Verlauf der Straße wurde ein Fortkommen immer schwieriger. Abgeschlagene Äste und teilweise ganze Baumstämme lagen oder streiften nun die Fahrbahn. Wie durch ein Wunder überwanden wir alle Hindernisse. Als der Wald sich vor dem Ende etwas lichtete, konnte ich wieder aufatmen. Bald hatten wir die Durchfahrt geschafft, wir waren in einem kleinen Ort vor Kielce angekommen. Wie angenehm die Sicherheit einer Menschensiedlung doch sein konnte. Im Schutze einer riesigen Eiche und einer Kirche übernachteten wir diesmal im Auto und wachten erst auf, nachdem der Hahn gekräht hatte.
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Obwohl Polen unser Nachbarland ist, kennt es hierzulande kaum jemand. In Polen findet man noch unberührte Landschaften, Urwälder und Seenlandschaften. Wie der Name schon sagt ("pole" heißt Feld) wird das Land vorwiegend durch Landwirtschaft geprägt, das heißt, daß es bis auf wenige Zentren kaum Industrie und Luftverschmutzung gibt. Der Süden ist generell weiter entwickelt und gebirgiger als der Norden.
Es gibt viele Kleinbauern und die prägen das Bild auf dem Land und in den Dörfern. Oft kann man Pferdekutschen mit großen Heuballen auf dem Wagen auf den Landstraßen sehen. Die Märkte in Polen sind eine Attraktion, dort wird nicht nur mit Obst und Gemüse gehandelt, es werden auch alle Arten von Haustieren feilgeboten.
Die Kirche hat in Polen eine besonderen Stellenwert. Der Sonntag ist der Tag des Herrn und wird in Ehren gehalten. Der Kirchgang bildet den Höhepunkt des Tages. Ein polnischer Gottesdienst ist ein Erlebnis, die Kirchen sind voll, und es wird kräftig mitgesungen. In der Kirche trifft man Leute, die sozialen Kontakte werden gestärkt.
In Polen ist der Gast König. Dies spürt man vor allem, wenn man eine polnische Familie näher kennen lernt. Dann hat man auch Gelegenheit, die deftige Küche auszuprobieren. Restaurants und Hotels gibt es in den Städten, auf dem Land sollte man sein Zelt dabei haben.
Wahrscheinlich weil der Wodka eine polnische Erfindung ist, gibt es im Land viele Betrunkene. Mit denen ist nicht zu spaßen. Uns wollte ein Betrunkener mit aller Macht dazu zwingen, ihm unser Auto zu ausprobieren geben.
Die Landstraßen in Polen haben viele Schlaglöcher, dafür ist der Verkehr oft recht spärlich. Sehr verbreitet sind wunderschöne Alleen in Polen. oft auch mit vielen Obstbäumen, die zu einem Zwischenstop einladen.
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In Kostrzyn über die Grenze nach Pila bis Olsztyn. Nach Szczytno, nach Mrangowo, Gizycko, Elk. In südöstliche Richtung nach Bialystok, und Hajnówka.
Von Biala Podlaska nach Radom, Kielce und Kraków. Weiter in den Südwesten nach Zywiec, von dort einen Abstecher ins Hochgebirge bei Zakopane.
Über Oswiecim nach Gliwice, Opole und Wroclaw. Von Legnica zum Grenzort Leknica.
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