ie Landschaft auf North Uist hatte etwas Unwirkliches. Der schwarze Torf war von braunem Heidekraut überdeckt. Leichte Wellen durchzogen das Land, deren langgezogene Vertiefungen mit Wasser gefüllt waren. Wir streiften durch diese Einöde und versanken dabei in der knisternden Heide oder tapsten versehentlich in eine sumpfige Mulde.
In der Seenlandschaft um Loch Scadabhagh schlugen wir unser Zelt auf. Wir genossen einen Panoramablick auf die umliegenden Berge des Westens, den Cladach Chireboist, den Maireabhal und den Ceathramh Meadhanach. Die Abenddämmerung tauchte den Himmel in wunderschöne Pastellfarben. Während wir unseren Tee kochten und das Zelt aufstellten, zogen zwei Hirsche hinter einer größeren Wassermulde langsamen Schrittes entlang.
Als wir am nächsten Morgen unseren Zeltplatz verließen, schreckte Roland eine ahnungslose Eule im Moor auf. Obwohl das Gebiet sich unweit der Landstraße befand, kamen doch seltenst Menschen in diese Einöde.
Wir erreichten Berneray, eine kleine Insel nördlich von North Uist, über eine Brücke. Die Fähre nach Leverburgh in South Harris sollte in einer Stunde gehen. Gerade hatte es begonnen stärker zu regnen, und wir stellten uns in dem kleinen Wartehäuschen unter. Im Laufe der Zeit sammelten sich einige Pkws vor der Anlegestelle.
Die Fähre näherte sich mit schnellem Tempo und wendete mit Schwung, um mit dem Heck anzulegen. Auch die Beladung der Fähre ging schnell. Zahlreiche Menschen drängten sich in den schmalen überdachten Seitengängen des Bootes. Ein großer Teil der Passagiere befanden sich schon vor dem Anlegen der Fähre an Deck. Fast alle waren Einheimische, viele trugen traditionelle Kleidung; Schottenröcke in den unterschiedlichen regionalen Mustern, dazu dicke karierte Wollstrümpfe in festem Schuhwerk. Manche Leute hatten Duddelsäcke bei sich.
Es war eine ausgelassene Stimmung an Deck, von allen Seiten hörte man Stimmen in lebhaftem Gespräch und Kinderlachen. Kurz nach Ablegen der Fähre wurden Eßwaren ausgepackt, Hähnchenschenkel wurden herumgereicht, dick belegte Sandwiches für die Kinder, Toasts, Süßigkeiten, auch mir wurde etwas angeboten.
Eine Gruppe Männer hielten Bierbüchsen in der Hand, sie schienen schon ziemlich betrunken zu sein. Man hörte, wie sie sich gegenseitig Geschichten erzählten und dabei gröllend lachten. Sie wurden auf Roland aufmerksam, und sofort mußte er mit ihnen anstoßen. Wir wurden am Abend zu einer Stag-Party, einer Junggesellenabschiedsfeier, eingeladen. Die Party hatte bereits hier auf der Fähre begonnen, da der zukünftige Bräutigam zur Mannschaft gehörte.
Wir erfuhren, daß die Gruppe der zünftig gekleideten Menschen von einem Jugend-Duddelsack-Wettbewerb zurückgekommen waren und Preise gewonnen hatten.
Obwohl es draußen regnete, drängten sich plötzlich alle Passagiere hinaus auf das Autodeck. Die Duddelsackspieler hatten dort Stellung bezogen, und nun begann ein fröhliches Konzert zu Ehren des Bräutigams. Viele klatschten zu den grellen Tönen der Musik, manche tanzten zwischen den Autos und andere schunkelten oben an der Reling mit der Mannschaft. Es war eine wunderbare, ausgelassene Stimmung. Wir fotografierten uns, umarmten und küßten uns. Auch der Kaptain schwank grinsend eine Büchse schottischen Biers in der Hand.
So legte die Fähre in Leverburgh an. Als die Passagiere das Schiff verließen, schauten wir wieder in die ernsten und verschlossenen Gesichter von Hebridianern, wie wir sie schon von North Uist her kannten, und über die wir schon Berichte gehört hatten.
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Schottland ist nahezu ideal für Fahrradreisen, Wanderungen oder
Wanderreiten. Einzige Vorraussetzung: man muß Wetterfest sein. Das Wetter ändert
sich sehr schnell und wenn man Optimist ist, hat man fast jeden Tag Sonne.
Pessimisten haben fast jeden Tag Regen, obwohl sie zusammen mit den Optimisten
reisen. Beide werden viel Wind haben. Die Schönheit der Landschaft wird
ebenfalls vom Wetter bestimmt - wenn jemand von "nicht so schön" berichtet, meint er das Wetter.
Steigungen bis 20% auf Hauptstraßen und 30% auf Nebenstraßen dürfen nicht
schrecken. Verläßt man den Asphalt, sollte man eine Wanderkarte dabeihaben.
Schottland besteht zum nichtzuveratenden Teil aus Sackgassen.
Läden, Banken, Kneipen sind in Schottland etwas dünner gesät, als man es von der Bevölkerungsdichte erwarten würde. Lediglich Telefonzellen gibt es "überall". Sonntags kann es besonders in den strengprotestantischen Gebieten zum Versorgungsengpaß kommen. Sogar in größeren Orten sind dann am Vormittag die meisten Lokale zu. Läden dagegen sind oft offen. Meine Bemerkung "Im katholischen Teilen Deutschlands ist die Dorfkneipe gegenüber der Kirche und der Treffpunkt nach der Messe" wurde in Inverness mit Staunen und einem spontanem "Ich ziehe nach Deutschland" aufgenommen.
Jeder Teil Schottlands ist einen Besuch wert. Wenn man überhaupt eine
Empfehlung aussprechen kann, dann kann man unserer Meinung nach bei
begrenztem Zeitvorrat folgende Preferenzen setzen:
Äußere Hebriden, vor allem Harris und Nordwest-Sutherland.
Start in Edinbourgh, dann Richtung Westen nach Islay und Jura, den Wiskey-Inseln, zurück nach Kintyre und aufs Festland.
Lochgilphead und am Loch Awe an der Westseite vorbei nach Taynuilt. Kurz vor Oban weiter nach Norden, bei Corran Wechsel auf die andere Seite von Loch Linnhe und Richtung Westen nach Acharacle. Die Küstenstraße nach Malaig.
Überfahrt nach Skye, kürzeste Strecke nach Uig und Fähre nach North Uist, nach Clachan na Luib und dann über die Berge nach Tràigh Bhálaigh.
Fähre von Berneray nach Leverbourgh in South Harris. Die weiße Straße entlang dem Steisebhat, dann über den Paß nach Tarbert. Weiter nach Lewis, in Stornoway zurück aufs Festland, nach Ullapool.
Straße nach Norden bis Durness, weiter bis Hope, dort am gleichnamigen Loch in Richtung Süden nach Altnaharra und Lairg. In Bonar Bridge Richtung Westen nach Amatnatua und dann die Schotterpiste auf die A835 nach Muir of Ord. Hinter Beauly nach Süden und Abriachan. Nach Inverness.
Über die nördliche Route nach Grantown-On-Spey, Tomintool, Colnabaichin. Nächste Station Breamar, Devil's Elbow im Süden. In Blairgowrie nach Crieff zum Glen Artney. Von dort aus zurück nach Edinbourgh.