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Schnee im Sommer

ördlich des Inari fanden wir einen herrlich bemoosten Zeltplatz neben einem kleinen See. Der Moosteppich war so weich, daß man bei jedem Schritt tief versank. Da wir uns in einem Gebiet mit Bärenvorkommen aufhielten, hängten wir unsere Provianttaschen mit Hilfe eines Seils an einen Ast. So beugten wir vielleicht unliebsamen Zwischenfällen in der Nacht vor.

Am nächsten Tag verdichtete sich die Anzahl der Seen in dem durchquerten Gebiet. Die meisten waren noch zugefroren oder trugen große Eisschollen. Die Tagestemperaturen waren in der letzten Zeit mehr oder weniger konstant bei etwa 5 Grad geblieben. Als die Sonne in der Nacht knapp über dem Horizont stand, kühlte es sich jedoch nicht wie gewohnt auf Gefrierpunktnähe ab.

Gegen 9 Uhr morgens brachen wir wieder auf. Bei dem frischen Fahrtwind wurden wir wie immer schnell wach. Wir fuhren durch ein schönes Waldgebiet mit Kiefern, Birken und Tannen. In der Ferne tauchte auf der Fahrbahn ein Punkt auf, der sich stetig vergrößerte.

Dann verwandelte sich der Punkt in einen radfahrenden Japaner. Als wir uns trafen, zückte er als erstes seine Kamera. Danach hatte er Zeit für einen kleinen Plausch. Er arbeitete die Strecke Helsinki-Nordkap ab und radelte von Hotel zu Hotel. Sein ganzes Gepäck bestand aus einer übergroßen Lenkertasche. Proviant für die Fahrt hatte er kaum bei sich. Nach fünf Minuten drängte er schon weiter.

Gegen Mittag fanden wir einen Supermarkt in Inari. Nach dem Einkaufen wurde mir sehr warm, und ich verstaute die Mütze im Gepäck. Beim Weiterfahren begannen wir zu schwitzen. Dann hielten wir fast alle 100 Meter, um irgendein Kleidungsstück abzulegen. Schließlich waren wir nur noch mit unseren Radlerhosen und T-Shirts bekleidet. In einem kleinen Ort konnte man die Temperatur ablesen, sie war innerhalb der letzten Stunden auf 16 Grad gestiegen.

Sonne und Fahrtwind brannten auf unsere Arme und Beine. Am Nachmittag fanden wir einen See mit weißem Sandstrand. Dort machten wir ein ausgedehntes Picknick. Beim Sitzen wurde es jedoch etwas kühl, und so zogen wir unsere Pullis über.

Auch in der folgenden Nacht kühlte es sich vom Tage nicht ab. Wir radelten länger als üblich und zelteten auf einem Berg neben einer Antenne. Wir mußten uns schnell lange Hosen anziehen, da Mücken aufgetaucht waren. Die Mitternachtssonne glimmte wie ein roter Ball zwischen zwei Tannen, als wir unsere Suppe beim Lagerfeuer schlürften.

Als wir am nächsten Morgen aus dem Zelt kletterten, umgab uns ein warmer Luftstrom. Die Teekanne stellten wir auf die Schneereste am Boden. An diesem Tag brauchten wir keine weitere Aufwärmung mehr.

Bald zogen wir los. Die Sonne brannte extrem heiß. So hielten wir an, um uns mit den letzten Schneeresten zu kühlen. An einem Platz mit zusammengekehrten Schneeresten, überkam uns die Lust auf eine Schneeballschlacht bei hochsommerlichen Temperaturen. Es machte Riesenspaß. In einem Kiosk neben der Straße kauften wir uns Eis am Stiel.

An der Vegetation konnte man den Jahreszeitenwechsel deutlich ablesen. Stündlich änderte sich das Aussehen der Laubbäume und Sträucher. Innerhalb eines Tages trugen sie ein frisches grünes Blätterkleid.

Der schnelle Wechsel von Kalt nach Warm, ließ uns die Temperaturen von zirka 28 Grad fast tropisch erscheinen. Wir hatten Sonnenbrillen aufgesetzt und schwitzten um die Wette. Am Rande eines Dorfes wagten wir uns zur Erfrischung ins kalte Wasser des einladenden Sees. Unsere Badestelle war hinter einem Schuppen versteckt. Nur ein einziges Haus stand in unserem Blickwinkel. Bei näherem Hinsehen sah ich dort zwei ältere Leute am Fenster, die sich abwechselnd das Fernrohr zureichten.

In Muonio, dem nächst größeren Ort, verspeiste Roland fast einen Liter Schokoladeneis auf der Treppe vor einem Supermarkt. Danach überquerten wir die Grenze zu Schweden.
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Skandinavien und vor allem der nördliche Teil sind ideal für Fahrradreisen. Es gibt wenig Verkehr, die Straßen sind glatt und verlaufen größtenteils durch Waldgebiete, in denen immer wieder Seen auftauchen. Man kann überall in der freien Natur zelten. Im Sommer gibt es jede Menge verschiedene Beeren, im Herbst unzählige Pilze zu sammeln.

Orte sind nicht so zahlreich, und so kommt es schon mal vor, daß für zwei Tage eingekauft werden muß, je weiter im Norden, desto öfter. Die Preise sind in Norwegen am höchsten, in Finnland am niedrigsten, allerdings immer noch höher als in Deutschland.

In ganz Skandinavien, aber vor allem in Norwegen, sollte man wasserfest sein. Das Gebirge fängt jegliche Feuchtigkeit, die vom Meer herangetragen wird, auf. Ende April, Anfang Mai ist in Lappland der Winter zu Ende, der Sommer beginnt mit 27 Grad zwei Tage später. Dies ist die beste Jahreszeit zum Reisen, denn einen Monat später kommt schon die Mückeninvasion. Im Herbst regnet es immer wieder, manchmal nieselt es sogar tagelang.

Um ein Bier zu trinken, muß man nach Tromsö fahren, die nördlichste Universitätsstadt der Welt. Dort kriegt man im Blue Rock Cafe Bayer-Bier zu trinken, das nach Mineralwasser schmeckt. Die Brauerei wurde ehemals von einem Leverkusener gegründet.

Während Norwegen durch seine Fjorde und die schroffe Gebirgslandschaft beeindruckt, überwiegen in Schweden und Finnland sanftere Gebirgszüge mit vielen Seen. Die nordfinnische Landschaft ist etwas bizarrer und wilder als die schwedische. Wahrscheinlich haben sich deshalb dort ein paar Braunbären erhalten;-) Ich errinnere mich an bunte Moosteppiche in einer Sumpflandschaft.

In Lappland gibt es keine Attraktionen. Außerhalb der Ortschaften ist es überall gleich schön und einsam. Ein Urlaub zum Meditieren und zu sich selbst kommen.

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Hinter Neiden über die Grenze nach Finnland. Von Näätämö über Rautapera, Partakko, Kaamanen nach Inari. Weiter nach Menesjärvi, Pokka. Hinter Pokka die Schotterpiste nach Korpela. In Köngäs auf die Straße nach Muonio.

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Zur Zeit reisen wir mit dem Fahrrad um die Welt.

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