ir starteten in Lysyik am Overe Fryken und fuhren Richtung Norden entlang der weniger befahrenen Seitenstraßen. In kurzen Abständen säumten Seen die Straße. Es war so warm, daß wir das kalte Wasser der Seen nicht scheuten. Da nur selten Autos vorbeikamen, hatten wir keine Bedenken, nackt ins Wasser zu springen. Fast jeden Tag gönnten wir uns diese Erfrischung ein- bis zweimal.
Hinter dem kleinen Ort Bograngen entdeckten wir einen größeren See, der im Umkreis von mehreren Kilometern nicht besiedelt war. Er war von lichtem Wald umgeben. Schwarze Gesteinsbrocken säumen das Ufer. Wir entschieden uns nach der ersten Nacht, noch länger hier zu bleiben.
Das Wasser des Sees war glasklar. Wir kochten unseren Tee damit, nachdem wir es durch einen Teefilter gesiebt hatten. Im Umkreis gab es Wiesen mit Preiselbeeren und im Wald fanden wir Blaubeersträucher. Stundenlang beschäftigten wir uns mit dem Pflücken. Nachts hörten wir Elche, wie sie in der Nähe unseres Zeltes vorbeizogen. Äste knackten. Der Wind flüsterte in den Bäume.
Wir trafen auf einen Teil des Waldes, der von Bibern bewohnt wurde. Abgesäbelte Bäume lagen quer auf dem Weg oder dem Waldboden. Dämme stauten das Flußwasser. Auch hier trafen wir einzelne Elche, doch den Biber sahen wir nicht.
Erst am Tag unserer Abreise regnete es stundenlang und in Strömen.
ir verlassen das Cafe in Sveg gegen Mittag in Richtung Røros. Das angekündigte Bergpanorama ist in Nebel gehüllt. Dafür sehen wir eine Ente, die die Verwundete spielt, um uns von ihren Jungen abzulenken, die am Straßenrand watscheln.
Es regnet den ganzen Tag. Es ist aber nicht kalt, die Temperatur pendelt sich auf 15 Grad ein, ein angenehmes Fahrradwetter. Bei längeren Pausen wird es einwenig kühl, deshalb machen wir nur kurze Stops.
In Långå haben wir bereits 80 Kilometer hinter uns. Anstelle auf den Campingplatz zu gehen, besuchen wir ein Cafe in einem Skansen. Drinnen ist es warm und urgemütlich. Der Wirt ist freundlich. Wir ziehen unsere nassen Schuhe und Socken aus und legen sie vor den Kamin zum Trocknen.
Wir fahren noch einige Stunden. Auf dem Campingplatz in Tännäs bleiben wir. Der Besitzer erlaubt uns nicht zu zelten. Anstelle dessen müssen wir eine Blockhütte beziehen, und zwar kostenlos. Das Fahren im Regen, meint er, muß belohnt werden.
![]()
Skandinavien und vor allem der nördliche Teil sind ideal für Fahrradreisen. Es gibt wenig Verkehr, die Straßen sind glatt und verlaufen größtenteils durch Waldgebiete, in denen immer wieder Seen auftauchen. Man kann überall in der freien Natur zelten. Im Sommer gibt es jede Menge verschiedene Beeren, im Herbst unzählige Pilze zu sammeln.
Orte sind nicht so zahlreich, und so kommt es schon mal vor, daß für zwei Tage eingekauft werden muß, je weiter im Norden, desto öfter. Die Preise sind in Norwegen am höchsten, in Finnland am niedrigsten, allerdings immer noch höher als in Deutschland.
In ganz Skandinavien, aber vor allem in Norwegen, sollte man wasserfest sein. Das Gebirge fängt jegliche Feuchtigkeit, die vom Meer herangetragen wird, auf. Ende April, Anfang Mai ist in Lappland der Winter zu Ende, der Sommer beginnt mit 27 Grad zwei Tage später. Dies ist die beste Jahreszeit zum Reisen, denn einen Monat später kommt schon die Mückeninvasion. Im Herbst regnet es immer wieder, manchmal nieselt es sogar tagelang.
Um ein Bier zu trinken, muß man nach Tromsö fahren, die nördlichste Universitätsstadt der Welt. Dort kriegt man im Blue Rock Cafe Bayer-Bier zu trinken, das nach Mineralwasser schmeckt. Die Brauerei wurde ehemals von einem Leverkusener gegründet.
Während Norwegen durch seine Fjorde und die schroffe Gebirgslandschaft beeindruckt, überwiegen in Schweden und Finnland sanftere Gebirgszüge mit vielen Seen. Die nordfinnische Landschaft ist etwas bizarrer und wilder als die schwedische. Wahrscheinlich haben sich deshalb dort ein paar Braunbären erhalten;-) Ich errinnere mich an bunte Moosteppiche in einer Sumpflandschaft.
In Lappland gibt es keine Attraktionen. Außerhalb der Ortschaften ist es überall gleich schön und einsam. Ein Urlaub zum Meditieren und zu sich selbst kommen.
![]()
Hinter Muonio Überschreitung der schwedisch-finnischen Grenze. In Kitkiöjoki auf die unbefestigte Straße nach Kangosfors. In Junosuando in westliche Richtung nach Masugnsyn, wo wieder eine unbefestigte Straße abging nach Dokkas. Von Dokkas nach Gällivare.
In Gallivare nahmen wir den Bus über Östersund nach Sveg. Weiter mit dem Rad nach Hedeviken, Funäsdalen, Brekken bis Røros. Von dort den Zug nach Oslo zur Fähre.